Rücksicht im Straßenverkehr

Aus gegebenem Anlass: „Rennradfahrer tot im Graben“

Um eins gleich vorweg zu nehmen: Schwarze Schafe gibt es unter allen Verkehrsteilnehmern, unabhängig davon, welches Verkehrsmittel verwendet wird. Fatal kann aus Sicht des Radfahrers jedoch immer wieder das Thema mangelnder Seitenabstand beim Vorbeifahren oder Überholen durch Kraftfahrzeuge werden. Ein tötlicher Unfall in Appen verdeutlicht diesen Mißstand einmal mehr:

Artikel im Wedel-Schulauer-Tageblatt zum Tot eines Radfahrers in Appen.

§ 5 Absatz 4 der Strassenverkehrsordnung schreibt folgendes vor:

„Wer zum Überholen ausscheren will, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung des nachfolgenden Verkehrs ausgeschlossen ist. Beim Überholen muss ein ausreichender Seitenabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere zu Fußgängern und Radfahrern, eingehalten werden. Der Überholende muss sich sobald wie möglich wieder nach rechts einordnen. Er darf dabei den Überholten nicht behindern.“

Die Praxis zeigt leider oft, daß der Seitenabstand den Kraftfahrzeugführer beim Überholen einhalten, im Ernstfall nicht ausreichen würde. Hindernisse auf der Fahrbahn, defekte Fahrbahnflächen oder plötzlich öffnende Autotüren am Straßenrand können den Radfahrer zum ausweichen zwingen und bei mangelndem Seitenabstand zu schweren Unfällen mit überholenden Fahrzeugen führen. Die Ursache ist hier oft eine Fehleinschätzung des notwendigen Abstandes, der erfahrungsgemäß mindestens 2 Meter betragen sollte. Noch wesentlich schlimmer, weil wirklich rücksichtslos, ist dann der absichtlich dicht und hupend vorbeifahrende Zeitgenosse, der mit seinem „die Strasse gehört mir Gehabe“ den Radfahrer zur Benutzung eines völlig maroden und viel zu schmalen (nicht benutzungspflichtigen) „Radweges“ zwingen will.

Wer glaubt, er hätte mit dem Kauf eines Autos und der Zahlung von KFZ Steuern irgendein Vorrecht zur Nutzung von öffentlichem Straßenland erworben, unterliegt einem großen Irrtum, zumal durch KFZ -und Mineralölsteuern nicht einmal die Umweltschäden behoben werden können, die durch Kraftfahrzeuge verursacht werden. Doch dies sei nur am Rande erwähnt. In der Regel sind die Autofahrer, die selbst viel radfahren am rücksichtsvollsten gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Vielleicht sollte man beim Erwerb des Führerscheins auch mindestens eine Fahrradfahrstunde zur Pflicht machen?

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